28. September – Zeit für Hygge

Der Wettergott hat wohl mitbekommen, dass wir nach dem gestrigen Wandertag eine Auszeit brauchen und alle Schleusen geöffnet. Es regnet seit gestern Abend heftigst, das Bächlein vor unserem Schlafzimmerfenster sprudelt immer lauter und zwischendurch ist es so neblig, dass man nix mehr sieht. Macht aber alles nix, denn wir haben die perfekte Hütte, um sowas auszusitzen und ein bisschen färöische Hygge zu zelebrieren, d. h. Gemütlichkeit mit Ausschlafen, gemütlich Essen, Kerzen Anmachen, Lesen – also einfach mal so gut wie nix tun. Gegen Mittag lässt der Regen nach und die ortsansässigen Hühner kommen inklusive ihres Chefs zu Besuch. Das war aber schon das aufregendste Ereignis heute, außer diversen spektakulären Sonnenuntergangsansichten auf die Dranganir und Tindhólmur 🙂

Ort: The View | Distanz: 0 km mit allen Fortbewegungsmitteln

27. September – Der See über dem Ozean

Heute ist offiziell das verflixte 7. Jahr vorbei, denn wir haben siebenten Hochzeitstag 🙂 Und wie kann man den besser verbringen als zu zweit im Urlaub in einer tollen Hütte. Da heute das Wetter auch nochmal ganz annehmbar ist, wollen wir zur Feier des Tages ein bisschen wandern gehen und zwar entlang am Leitisvatn zum Trælanípa, dem Kliff, wo man früher Sklaven, die nicht mehr arbeiten konnten, ins Meer geschubst hat. Da das Kliff 142 Meter hoch ist, war das kein Schwimmausflug, sondern ein Todesurteil. Aber abgesehen von der gruseligen Geschichte, ist die Wanderung toll und die Gegend einfach eine Wucht. In normalen Jahren treten sich hier die Leute gegenseitig auf die Füße, denn wenn man das Kliff hochgekrabbelt ist und sich todesmutig weit hinauslehnt und zum See zurück fotografiert, dann scheint der See dank einer optischen Täuschung über dem Meer zu schweben und das ist natürlich was für Instagramer und deshalb als Ausflugsziel sehr beliebt. Zum Glück nicht heute, denn es ist fast menschenleer und wir können uns in aller Ruhe dem Ziel nähern und auch trotz auffrischendem und fiesem Winds bis hoch klettern. Das mit dem Schwebebild wird aber nix, denn wir sind schließlich noch arbeitsfähig und müssen nicht vom Kliff geschubst/geweht werden 😉 Schöne Fotos sind es trotzdem geworden und ich alter Höhenängstling war hinterher total stolz auf mich. Ich weiß nur nicht, wie oft der arme Rudi gehört hat, dass er verdammt nochmal nicht so nah an den Rand gehen soll. Brauch ihn ja noch.

Nachdem wir wohlbehalten wieder vom Kliff runter sind, geht es noch durch Matsch und Wasser und zum Schluss über Steine zum Bøsdalafoss. Auch sehr schön, aber fast noch schöner sind die Felsnadeln, die man dahinter sieht. Nachdem wir uns daran sattgesehen haben, geht es den ganzen Weg retour. Es wird immer windiger, denn es ist ein stürmischer Nachmittag vorausgesagt und deshalb verziehen wir uns in unsere Hütte und genießen den Rest des Tages in trauter Zweisamkeit.

Ort: Vágar | Distanz: 25 km RüBä-Mobil, 7,5 per Pedes

26. September – Vágar ist schön

Heute ist unser erster von vier Tagen in The View und wir wollen es eigentlich ganz langsam angehen lassen. Klappt aber nicht, denn zunächst überrascht mich Rudi halb zwei, denn ich werde selten zu der Zeit geweckt, aber bei dem Polarlicht steht man doch gern auf und flitzt vor die Tür, um staunend die kalten Flammen anzustarren, die über den Himmel tanzen. Das Polarlicht habe ich überhaupt noch nie gesehen und dann gleich so, das ist ein tolles Erlebnis, dass aber das Weiterschlafen ein bisschen rauszögert 😉

Irgendwann sind wir dann doch wieder in den Schlaf gekommen und beginnen den Tag trotzdem nicht allzu spät. Die Sonne scheint, der Wind ist heute ein laues Lüftchen und deshalb geht es ab nach Gásadalur am Ende der Straße, um den Múlafossur, einen der schönsten Wasserfälle der Färöer, anzuschauen. Die Strecke dorthin ist sehr schön und der Einbahnstraßentunnel, vor dem wir beide ein bisschen Bammel hatten, ist zwar recht grob aus dem Fels gehauen, aber trotzdem recht großzügig und beleuchtet und außerdem kurz. Am Ende des Tunnels öffnet sich der Blick auf Gásadalur, das von den höchsten Bergen Vágars umgeben, in der Morgensonne liegt. Gásadalur war bis 2004, als der Tunnel zunächst für Fußgänger geöffnet wurde, echt schwer erreichbar, denn die Klippen über dem Meer sind recht hoch und die Berge sind es halt auch. Ich mag mir gar nicht vorstellen, dass es hier tatsächlich einen Postboten gab, der bis zur Tunnelöffnung jede Woche mehrfach über den Berg gekraxelt ist. Dafür durfte er den neuen Tunnel dann auch als erster zu Fuß durchqueren. Muss mächtig fit gewesen sein, der Mann.
Wir hingegen machen es bequem und laufen vom Parkplatz zum Aussichtpunkt auf den Wasserfall und gehen dann einen sehr schönen Rundweg, der uns an den Klippen entlang bis oberhalb des Dorfs führt. Die Gegend ist ausgesprochen schön und wir genießen das schöne Wetter, bevor es über Mittag zurück zu The View geht.

Danach wird es nochmal spannend, denn wir gönnen uns zum morgigen Hochzeitstag schon heute eine Bootstour zu den Drangarnir und zum Múlafossur. Mit ein bisschen Verspätung, weil das erste Boot nicht ansprang, geht es los und dann flitzt das Boot über die Wellen zunächst zu den Dranganir, die es dann ganz langsam umschippert. Bei der Gelegenheit sehen wir noch weitere Säulen im Wasser, die man sonst nicht zu sehen bekommt, und außerdem, wie hoch die Klippen hier sind. Wird einem schon ein bisschen schwummrig beim nach oben Schauen. Als nächstes umfahren wir Tindhólmur, wo wir von der See aus kurz beim Zusammentreiben der Schafe zuschauen, und dann geht es quer über die Bucht und einmal rund um den Berg, den wir heute morgen durchfahren haben und dann ist er da, der Múlafossur. Sieht auch von der See sehr schön aus und wir sehen vor allem auch die abenteuerliche Treppe besser, über die früher Waren per Boot angeliefert wurden. Auch hier haben wir genug Zeit zum Schauen und dann geht es flux zurück nach Sørvágur.

Damit ist das Sightseeing aber noch nicht beendet, denn nun geht es zum Nix, einer Plastik, die im Leitisvatn steht und die Legende vom Gestaltwandler verkörpert, der sich in ein Pferd verwandelt, um Kinder ins Wasser zu locken.

Danach reicht es aber für heute, denn auf uns wartet The View, den wir bis abends inklusive eines fürchterlich kitschigen, aber wunderschönen Sonnenuntergangs genießen 🙂 Außerdem wollten wir es heute ja eh ruhiger angehen lassen 😉

Ort: Vágar | Distanz: 20 km RüBä-Mobil, 5,5 km per Pedes

25. September – The View

Alles ganz schön aufregend für mittelalte Menschen hier – raus aus der Stadt, neues Land, andere Sitten und das Ergebnis vom vierten Corona-Test haben wir auch noch nicht. Um das Ganze etwas zu entspannen, lassen wir uns aber im schicken Hotel in Torshavn noch schön viel Zeit bis der Corona-Info-Countdown abgelaufen ist und fahren Punkt zwölf mal wieder erleichtert los. Da die Entfernungen hier sehr, sehr kurz sind, lassen wir uns ganz viel Zeit, obwohl das gar nicht so einfach ist, denn hier ist im Gegensatz zu Island ordentlich Verkehr und deshalb können wir zumindest auf der Straße nicht trödeln. Ansonsten sind die Straßen aber wieder heimatähnlicher – alles geteert und Leitplanken gibt es auch überall, was komischerweise doch ganz schön beruhigend ist.
Da wir erst um drei in die nächste Unterkunft können, fahren ein bisschen rum, gehen einkaufen und fahren dann nach Bøur ein sehr malerisches färöisches Minidörfchen.

Direkt neben Bøur liegt unser Quartier für die nächsten fünf Nächte. Vier Hüttchen mit Grasdach, die The View heißen und das aus gutem Grund. Von jeder Hütte hat man einen fantastischen Blick auf das Ensemble der Inseln Tindhólmur, Gáshólmur und der beiden Drangarnir.

Ort: Tórshavn – Bøur | Distanz: 50 km im RüBä-Mobil

24. September – Willkommen auf den Färöern

Heute Nacht war es mal wieder ein bisschen wackelig auf der MS Norröna, aber als alte Seebär(ch)en sind wir das ja gewöhnt. Allerdings trägt das von den Wellen verursachte Rumkullern im Bett zu meinem Muskelkater vom gestrigen Hengifoss-Jagen bei, aber ist halt so, wenn man mittelalt ist. Wir chillen uns deshalb durch den Tag ohne an Deck zu gehen und genießen den Ausblick aus der Kabine. Am frühen Nachmittag kommen die Färöer in Blickweite, wie haben mal wieder einen Covid-19-Test und dann sind wir endlich da, auf den Färöern in Tórshavn und fahren flux zu unserem Hotel.

Wir sind zwar auch diesmal wieder in „Quarantäne“ bis zum Ergebnis des Corona-Tests morgen, aber auch hier ist spazieren gehen erlaubt und deshalb machen wir noch einen Miniausflug in Richtung der Innenstadt von Tórshavn, aber eigentlich ist uns nach noch mehr Erholung und deshalb geht es recht schnell in unser schniekes Hotel zurück, die federweichen Betten genießen. Was für eine Wohltat nach der Pritsche auf der Fähre 🙂

Ort: Atlantik – Tórshavn | Distanz: 988 m RüBä-Mobil, 2 km per Pedes